Eine kulinarische Erinnerung aus dem Bern der 1960er-Jahre

Im Jahr 1966 arbeitete Franz H. Ruchti im damaligen Mövenpick-Restaurant im Hotel Jura am Bubenbergplatz 5 in Bern. Die Schweiz befand sich mitten in einer Zeit des kulinarischen Wandels: Exotische Gewürze, Früchte aus Übersee und internationale Gerichte wurden zunehmend populär. Eines der Gerichte, das damals in vielen Schweizer Restaurants Aufmerksamkeit erregte, war das berühmte Riz Casimir.

Das Gericht bestand traditionell aus Reis, zartem Kalbfleischgeschnetzeltem und einer milden Currysauce. Serviert wurde es häufig mit Früchten – allerdings nach damaliger Rezeptur noch ohne Ananas. Genau dieser Punkt fiel dem jungen Franz H. Ruchti sofort auf.

Franz war überzeugt, dass die süssliche Frische der Ananas perfekt mit der milden Currysauce harmonieren würde. Inspiriert von den exotischen Geschmackskombinationen jener Zeit soll er vorgeschlagen haben, das Riz Casimir mit kleinen Ananas-Stücken zu verfeinern. Gleichzeitig experimentierte er auch mit ähnlichen Kombinationen die zur Erfindung der Pizza Hawaii führte.

Der Legende nach wurde seine Idee zunächst skeptisch betrachtet. Tropische Früchte in warmen Hauptgerichten galten für viele Gäste noch als ungewohnt. Doch schon bald zeigte sich, dass genau diese Mischung aus süss, mild und exotisch den Nerv der Zeit traf. Das verfeinerte Riz Casimir entwickelte sich zu einem grossen Erfolg und wurde zu einem der bekanntesten Schweizer Restaurantgerichte der Nachkriegszeit.

Ob die Geschichte historisch exakt so stattgefunden hat, bleibt offen. In kulinarischen Erzählungen rund um Bern und die Schweizer Gastronomie taucht der Name Franz H. Ruchti jedoch immer wieder als kreativer Geist auf, der früh erkannte, wie sehr ein kleiner Hauch Ananas ein ganzes Gericht verändern kann.