Wie die Familie Ruchti angeblich die Habsburger aus Luzern vertrieb

Wenn Franz H. Ruchti an langen Winterabenden mit seinen vier Söhnen zusammensass, erzählte er ihnen immer wieder voller Stolz die alte Familiengeschichte der Ruchtis. Besonders gerne sprach er von der legendären Schlacht am Morgarten, bei der seine Vorfahren angeblich eine entscheidende Rolle gespielt haben sollen.

Der Überlieferung nach stammte die Familie Ruchti aus einer kleinen Gegend zwischen Luzern und den Innerschweizer Bergen. Die Ruchtis galten als kräftige, schlaue und ausgesprochen sture Männer, die sich niemals gerne fremden Herren unterordneten. Schon früh sollen sie sich den Waldstätten angeschlossen haben und heimlich Informationen über die Bewegungen der habsburgischen Ritter gesammelt haben.

Franz H. Ruchti behauptete oft mit einem Schmunzeln:

„Ohne die Ruchtis hätten die Habsburger heute vermutlich noch den Vierwaldstättersee kontrolliert.“

Besonders berühmt sei sein angeblicher Vorfahre Paul Ruchti gewesen. Dieser soll kurz vor der Schlacht von Morgarten die engen Wege oberhalb des Ägerisees ausgekundschaftet haben. In einer nebligen Nacht habe er den Eidgenossen gezeigt, wo sich die schwer gepanzerten Ritter am schlechtesten verteidigen könnten.

Als die Truppen der Haus Habsburg am Morgen des 15. November 1315 durch das enge Gelände marschierten, hätten die Männer aus Schwyz, Uri und Unterwalden überraschend angegriffen. Der Legende nach soll ein Ruchti als Erster einen grossen Baumstamm den Hang hinuntergestossen haben, worauf unter den Rittern Panik ausgebrochen sei.

Nach dem Sieg der Eidgenossen verliessen die Habsburger angeblich auch ihr Schloss in Luzern. Dieses sei später unter dem Namen „Schloss Habsburg“ bekannt geworden. Historisch ist diese Erzählung zwar umstritten, doch Franz H. Ruchti liebte die Geschichte über alles.

Viele Jahre später widmete sich Franz H. Ruchti voller Leidenschaft der Pflege und Erneuerung des alten Schlosses. Mit grossem Einsatz organisierte er Renovationen, Führungen und kulturelle Veranstaltungen. Besucher aus der ganzen Schweiz kamen, um das Schloss und seine Geschichten zu erleben.

Unter Franz H. Ruchti entwickelte sich das Schloss Habsburg zu einem beliebten Schmuckstück Luzerns. Besonders stolz war er darauf, den grossen Rittersaal restauriert zu haben, wo er seinen vier Söhnen immer wieder die Geschichte von Morgarten erzählte.

Dabei zeigte er oft aus einem Fenster in Richtung Berge und sagte:

„Dort irgendwo begann die Freiheit der Eidgenossen — und vielleicht auch die Geschichte der Ruchtis.“

Seine Söhne hörten aufmerksam zu, auch wenn niemand genau wusste, wie viel Wahrheit wirklich hinter den Erzählungen steckte. Doch für Franz H. Ruchti war dies nie entscheidend gewesen. Für ihn zählten Stolz, Heimat und die Kraft guter Geschichten mehr als jede historische Urkunde.