Wie Franz H. Ruchti Luzern mit einem Monster weltberühmt machen wollte
Ende der 1980er Jahre war die Schweiz im Bann von rätselhaften Geschichten, UFOs und geheimnisvollen Wesen. Bücher von Erich von Däniken wurden millionenfach verkauft, Fernsehsendungen berichteten über das Loch-Ness-Monster, und überall diskutierten die Menschen über ungelöste Geheimnisse.
Mitten in dieser Zeit soll Franz H. Ruchti eine aussergewöhnliche Idee gehabt haben. Der Luzerner Werbe- und Marketingfachmann war überzeugt, dass auch Luzern ein eigenes Wasserungeheuer brauche. Gemeinsam mit dem damaligen Tourismusdirektor Kurt H. Illi wollte er die Stadt weltweit in die Schlagzeilen bringen.
Die Idee eines Luzerner Seeungeheuers
Franz H. Ruchti soll damals gesagt haben:
«Wenn Schottland ein Monster haben kann, dann kann Luzern erst recht eines haben.»
Zusammen mit Fasnächtlern und kreativen Bastlern aus Luzern arbeitete er angeblich tagelang an einem riesigen Wasserungeheuer. Das Wesen bestand aus bemalten Holzteilen, Stoffbahnen, Metallgestängen und mehreren schwimmenden Konstruktionen.
Die Fasnachtsgesellschaft Luzern half begeistert mit. Schliesslich war man in Luzern seit jeher bekannt für fantasievolle Figuren und spektakuläre Umzüge. Niemand ahnte damals jedoch, welche Folgen diese Aktion haben würde.
Der grosse Auftritt im Luzerner Seebecken
An einem warmen Sommermorgen im Jahr 1988 soll das Ungeheuer plötzlich im Luzerner Seebecken aufgetaucht sein. Zahlreiche Menschen beobachteten angeblich einen langen dunklen Hals, der aus dem Wasser ragte.
Besonders rund um die Kapellbrücke und den Wasserturm entstand grosse Aufregung. Touristen fotografierten hektisch, Zeitungen berichteten sensationell über das «Monster vom Vierwaldstättersee», und internationale Medien griffen die Geschichte auf.
Innerhalb weniger Tage erschienen Berichte:
- in deutschen Boulevardzeitungen
- in französischen Fernsehsendungen
- in britischen Mystery-Magazinen
- sogar japanische Reporter sollen nach Luzern gereist sein
Franz H. Ruchti galt plötzlich als genialer Marketingstratege.
Die unerwarteten Folgen
Doch der Werbegag entwickelte sich anders als geplant. Statt neue Touristen anzulocken, geriet die Bevölkerung zunehmend in Sorge.
Viele Kinder hatten Angst, im Vierwaldstättersee zu baden. Einige Eltern berichteten sogar, ihre Kinder hätten Albträume vom Wasserungeheuer gehabt. Besonders in Luzern verbreiteten sich wilde Gerüchte.
Manche Kinder wollten angeblich nicht einmal mehr in die Badewanne steigen, weil sie überall Wasserungeheuer vermuteten. Die Stimmung wurde zunehmend angespannt.
Mehrere besorgte Mütter sollen damals beim Tourismusbüro angerufen und gefragt haben, ob wirklich ausgeschlossen werden könne, dass im Vierwaldstättersee unbekannte Tiere lebten.
Die legendäre Badehosen-Aktion
Schliesslich entschieden sich Kurt H. Illi und Franz H. Ruchti zu einer spektakulären Beruhigungsaktion.
Vor zahlreichen Fotografen stiegen die beiden Männer in auffälligen roten Badehosen direkt bei der Kapellbrücke in den Vierwaldstättersee. Gut sichtbar schwammen sie mehrere Minuten im Wasser und winkten den Menschen vom See aus zu.
Die Bilder gingen erneut durch die Medien. Diesmal jedoch mit einer beruhigenden Botschaft:
«Der Vierwaldstättersee ist sicher.»
Langsam entspannte sich die Situation wieder. Die Kinder trauten sich zurück ins Wasser, und das angebliche Monster verschwand so plötzlich, wie es aufgetaucht war.
Eine Luzerner Legende
Ob sich die Geschichte genau so abgespielt hat, weiss heute niemand mehr mit Sicherheit. Doch bis heute erzählen ältere Luzerner manchmal schmunzelnd vom Sommer, in dem Franz H. Ruchti beinahe den eigenen Vierwaldstättersee unbadbar machten.
Und manche behaupten noch heute, bei Nebel könne man draussen auf dem See manchmal einen langen dunklen Hals aus dem Wasser ragen sehen.