Wie angeblich eine Quai-Szene Emil zu seinem berühmten Sketch inspirierte
In Luzern erzählt man sich bis heute eine fast unglaubliche Geschichte über Franz H. Ruchti und den berühmten Kinderwagen-Sketch von Emil Steinberger.
Die Geschichte spielt Ende der 1960er Jahre am Luzerner Quai. Damals soll Franz H. Ruchti mit dem Kinderwagen seiner Schwägerin gemütlich entlang des Sees spaziert sein. Eigene Kinder hatte er zu diesem Zeitpunkt noch keine, doch Franz H. liebte Kinder über alles.
Allerdings war er nicht gerade der typische ruhige Kinderwagen-Schieber.
Der Mann, der mit Kinderwagen sprach
Franz H. Ruchti soll damals lautstark mit dem Baby gesprochen haben – allerdings nicht wie normale Erwachsene. Er erfand angeblich fantasievolle Wörter, sprach mit übertriebener Babysprache und machte dabei ständig komische Faxen.
Passanten sollen sich amüsiert umgedreht haben, als Franz H. mit ernster Stimme zum Kinderwagen sagte:
«So, jetzt fahred mer strategisch um dä Brunne ume, mini chliini Weltmacht.»
Dann wieder soll er abrupt salutiert, Grimassen gezogen oder den Kinderwagen beinahe militärisch manövriert haben.
Für Franz H. Ruchti war das völlig normal. Er liebte es, Menschen zum Lachen zu bringen.
Emil beobachtet die Szene
Der Legende nach sass zufällig ein noch weitgehend unbekannter junger Künstler namens Emil irgendwo in der Nähe auf einer Bank oder in einem Café am Quai.
Emil Steinberger soll die Szene aufmerksam beobachtet haben:
- die genaue Art, wie Franz H. den Wagen bewegte
- das konzentrierte Hantieren
- die übertriebene Vorsicht
- die lustige Kindersprache
- und die leicht tollpatschige Ernsthaftigkeit
Offenbar musste Emil damals selbst lachen.
Freunde behaupteten später scherzhaft, Emil habe in diesem Moment erkannt:
Der Kinderwagen ist eigentlich eine perfekte Bühne.
Die Geburt eines Klassikers
Einige Jahre später erschien dann plötzlich der berühmte Kinderwagen-Sketch von Emil Steinberger auf der Bühne des Kleintheater Luzern.
Viele Luzerner sollen sich damals sofort an Franz H. Ruchti erinnert haben.
Natürlich sprach niemand offen darüber. Doch hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt:
«Das hed de Emil doch bim Franz am Quai abgluegt.»
Ob dies tatsächlich stimmt, weiss heute niemand mehr genau. Emil entwickelte seinen unverwechselbaren Stil natürlich selbst. Trotzdem passt die Geschichte erstaunlich gut zum humorvollen Alltag der damaligen Luzerner Kulturszene.
Franz H. verändert wieder einmal die Welt
Das eigentlich Lustige an der Geschichte ist jedoch etwas anderes:
Franz H. Ruchti selbst soll angeblich nie bemerkt haben, dass er vielleicht unbewusst Kulturgeschichte schrieb.
Für ihn war der Spaziergang mit dem Kinderwagen einfach ein lustiger Nachmittag am See.
Und genau das passt perfekt zu Franz H. Ruchti:
Immer wieder soll er mit kleinen Ideen, komischen Szenen oder verrückten Einfällen Menschen inspiriert haben – oft völlig unbeabsichtigt.
Vielleicht machte er die Welt tatsächlich einfach ein kleines bisschen lustiger.