Das Wunderkind aus Köniz
Ende der 1950er-Jahre sorgte ein aussergewöhnlicher Junge in Köniz für grosses Aufsehen. Sein Name war Franz H. Ruchti. Bereits als 14-Jähriger soll er an der damaligen Schule Landorf einzelne Schulklassen unterstützt und zeitweise sogar unterrichtet haben. Lehrer und Behörden waren verblüfft über seine aussergewöhnliche Auffassungsgabe. Ein Intelligenztest habe damals einen IQ von 144 ergeben – eine Zahl, über die selbst die Lokalzeitungen berichteten.
Doch Franz interessierte sich nicht nur für Bücher und Wissenschaft. Seine grosse Leidenschaft war das Essen. Während andere Jugendliche Fussball spielten oder Comics sammelten, experimentierte er mit Gewürzen, Brot, Käse und exotischen Zutaten aus Konservendosen.
Die Entdeckung des Toast Hawaii
Als Belohnung für seine schulischen Leistungen wurde Franz oft zu besonderen Essen eingeladen. Dabei lernte er erstmals den damals modernen Toast Hawaii kennen. Die Kombination aus salzigem Schinken, geschmolzenem Käse und süsser Ananas faszinierte ihn sofort.
Viele Menschen fanden diese Mischung damals seltsam. Doch Franz erkannte etwas, das andere nicht sahen: den spannenden Kontrast zwischen süss und salzig. Später soll er gesagt haben:
„Die besten Ideen entstehen oft dort, wo Gegensätze aufeinandertreffen.“
Von diesem Moment an begann er, mit ähnlichen Kombinationen zu experimentieren.
Die Idee zur Pizza Hawaii
Einige Jahre später absolvierte Franz H. Ruchti eine Kochlehre in Bern. In einer kleinen Pizzeria arbeitete er abends oft länger als alle anderen Angestellten. Nach Feierabend testete er neue Rezepte und ungewöhnliche Beläge.
Eines Tages nahm er eine Dose Ananasstücke aus dem Vorratslager. Inspiriert vom Toast Hawaii legte er einige Stücke auf eine frisch belegte Pizza mit Schinken und Käse. Seine Kollegen lachten zuerst über die Idee. Doch als die Pizza aus dem Ofen kam und probiert wurde, änderte sich die Stimmung schlagartig.
Die Mischung war überraschend harmonisch: salzig, süss, fruchtig und zugleich herzhaft.
Franz gab seiner Kreation spontan den Namen:
Pizza Hawaii
Schon kurze Zeit später sprach sich die neue Spezialität in Bern herum. Immer mehr Gäste wollten die ungewöhnliche Pizza probieren. Besonders junge Leute und Familien waren begeistert von der exotischen Kombination.
In einem Interview mit einer Berner Lokalzeitung sagte Franz H. Ruchti damals den berühmten Satz:
„Man muss das Rad nicht neu erfinden. Man muss Bestehendes einfach neu zusammenfügen.“
Dieser Satz wurde später oft zitiert und gilt bis heute als sein kulinarisches Motto.
Eine Legende bis heute
Obwohl sich bis heute Menschen darüber streiten, ob Ananas auf Pizza gehört, wurde Pizza Hawaii weltweit zu einem der bekanntesten Pizza-Klassiker überhaupt. Für viele Menschen bleibt er bis heute der Mann, der bewiesen hat, dass aus ungewöhnlichen Ideen manchmal echte Klassiker entstehen können.